Buchsüchtig? Fragen Sie Ihren Arzt oder Autor!

# Die Buchsüchtigen #

 

Es geistern des Öfteren Bilder durch das Internet, in denen Scherze getrieben werden, alá „Ich kann an jedem Schuhgeschäft vorbeigehen, aber an keinem Buchladen" oder „Die fünf gemeinsten Lügen einer/s Buchsüchtigen - Beispiel: Ich lese nur noch das Kapitel zu Ende ..."

Schön und gut, denke ich mir und muss teilweise grinsen, da ich mich hin und wieder ertappt fühle. Ich lese gerne und ich lese viel und ich möchte darauf auch nicht verzichten. (Manchmal schon exzessiv, weil ich mich vor dem Schreiben drücke und mir einrede, dass dies auch eine Art der Recherche bedeutet.)

 

So, damit tue ich auch keinem weh, weil ich ja schließlich mein eigenes Leben im Halbschlaf meistern muss, wenn ich am Vorabend mal wieder vor lauter Spannung nicht den Schalter der Nachttischlampe finden konnte.

 

Ich will heute von einem anderen Phänomen sprechen, das mich fasziniert und von dem ich denke, dass es relativ neu ist.

 

 

„Buchgewinnspiele können süchtig machen - Mehr Infos unter ..."

 

 

Als ich noch als Hosenmatz in die Bibliothek meines Vertrauens hopste, um mir ein neues Abenteuer von Pumuckel zu holen, fragte mich die Bibliothekarin, wie mir das Buch denn gefallen hätte ... (Sie erwartete allerdings nicht mehr, als eine einsilbige Antwort)

 

Heute darf jeder, der meint, seine Meinung wäre entscheidend auf allen möglichen Foren gerade heraussagen, was er von Büchern hält. Und das ist auch gut so.

Ob es nur einsilbig, zweiwörterig (totaler Scheiß) oder auch langatmig ist - jeder Kommentar zu einem Buch steigert die Aufmerksamkeit und so sind wir Autoren froh, wenn einer etwas sagt und man nicht das Gefühl hat, das Buch für die WWW-Müllhalde geschrieben zu haben!

 

Aber jetzt gibt es da die Buchsüchtigen und ich möchte bald behaupten, dass es sich um eine Krankheit handelt, die eventuell behandelt gehört.

 

Buchsüchtige tummeln sich bevorzugt auf allen Seiten, auf denen man ein Buch gratis abgreifen kann. Sei es bei Leserunden, Gewinnspielen, oder Seiten, auf denen sich Blogger mit Autoren vernetzen.

 

(Bevor es jetzt hier böse Worte gibt: Ich meine nicht Blogger, die ihren Job ernst nehmen, sich durch Stapel von Büchern fressen und die Zeit finden, einen sinnvollen informativen Text zu dem jeweiligen Buch zu schreiben.)

 

Ich meine diese armen Irren, die gemerkt haben, wie toll es ist, auch mal ihre Meinung irgendwo geschrieben zu sehen und davon süchtig wurden. Die merkten, wie sehr ein Wort von ihnen den Autor treffen kann. Plötzlich waren sie auch jemand. Aber wie kommt man weiter an Stoff? Kostet ja schließlich was und wir wollen uns ja nicht auf illegalen Plattformen rumtreiben, wir sind ja vom Fach. (Das sind sie dann auch ganz schnell - also für sich, gefühlt)

 

Also mal ein Gewinnspiel mitgemacht. Ob mich das Buch interessiert? Egal. Hauptsache ich habe was zu lesen und zu rezensieren ....

 

Und dann kommt es das Gefühl, das wir alle kennen: Ich habe gewonnnen! Ich, die nie was gewinnt, habe tatsächlich ein Buch gewonnen! Ist das geil!

 

Ja, ist es.

 

Vor allem ist es geil, wenn man sich dann hinsetzt, liest und danach eine ehrliche Rezension schreibt. Das nennt man nämlich eine Win-Win Situation. Du hattest was zu lesen, ich habe eine Rezension, die hoffentlich ehrlich ausgefallen ist.

 

Ich erinnere: Zuerst hatte die/der Buchsüchtige ein Glücksgefühl, weil er/sie eine Rezension schreiben durfte und endlich mal vor allen seine Meinung sagen durfte, ins Rampenlicht kam, ohne wirklich sein/ihr Gesicht zu zeigen.

 

Jetzt hat er/sie ein Glücksgefühl, weil er/sie ein Buch gewonnen hat.

 

Was ist einfacher? Heutzutage leider, und daran sind wir Autoren und Verlage selbst schuld, ein Buch zu gewinnen.

 

Also machen die armen Süchtigen weiter ein Gewinnspiel nach dem anderen. Ihr SuB wächst. (Für geneigte Leser, die bis hierhin kamen - das heißt „Stapel ungelesener Bücher")

 

Manche posten ihren SuB und stöhnen ganz gewaltig unter der Last ihrer Aufgaben - und bekommen - ihr ahnt es: Mitleid von den anderen Buchsüchtigen ... Ja und da ist es wieder, was sie anheizt.

 

 

Ich fasse zusammen: Aufmerksamkeit, Glücksgefühl, Mitleid - der Grund buchsüchtig zu werden ...

 

Mögliche Auswirkungen: Schlechtes Gewissen der Autoren gegenüber, denen man versprochen hatte, was zum Buch zu sagen, Burnout beim Anblick seines eigenen SuBs.

 

Sprachlosigkeit, wenn es darum geht, Rezensionen zu formulieren.

 

Wege aus dem Dilemma:

 

1. Ich klaue meine Rezensionen von Bloggern, die die echt toll geschrieben haben. Genauso hätte ich es auch gesagt. Der Autor hat seine Sterne und seine Meinung - ist doch egal, was der Blogger davon hält, der Autor. Ich habe eine Rezension gepostet. (Kommt leider wirklich schon vor!)

 

2. Ich lösche mich aus allen Foren. Damit hört auch sofort der Druck auf. Dieses lästige Nachfragen seitens der Autoren, oder Leserundenbetreiber. Ich melde mich natürlich eine Minute später wieder an, natürlich unter anderem Namen. Da war doch gerade so ein geiles Gewinnspiel, das darf ich nicht verpassen.

  

3. Ich melde mich generell immer unter vier verschiedenen Namen in den Foren an. Damit steigt meine Chance auf einen Gewinn und da ich keiner/e von diesen Personen bin, kann mir dieses Anbetteln um meine Meinung voll am Arsch vorbeigehen. Lästig so etwas.

 

4. Ich fange am besten an, ein wenig zu stänkern. Wenn mich noch mal einer fragt, ob ich ihm eine Rezension schreibe- ich meine, wie blöd ist der eigentlich, wenn er/sie mir ein Buch schenkt, wenn er/sie mich gar nicht kennt - dann mache ich ihn nieder. Er kann seine Rezension haben. Allerdings nur ein Stern. Wegen nerven. Und sein doofes Buch lese ich erst recht nicht - wo kommen wir denn dahin? Diese Autoren gehören ja erzogen - die bilden sich sowieso zuviel ein!

 

 

Wege aus der Sucht?

 

1. Verlassen Sie sofort alle Seiten, auf denen es etwas zu gewinnen gibt.

 

2. Schreiben Sie Leserundenbetreiber/Autoren persönlich an und entschuldigen Sie sich, ohne ihnen etwas vorzujammern. Geben Sie zu, einen Fehler gemacht zu haben, und versprechen Sie nicht schon wieder was, was Sie nicht halten können. (Auch das Zurückschicken eines Buches ist möglich.)

 

3. Machen Sie sich eine Liste und „arbeiten" Sie sie konsequent durch. Lesen - Buch beenden - Nachdenken - Rezension schreiben - Abhaken - Pause machen. Nächstes Buch ... Das machen Sie so lange, bis sich ihr SuB in einen kBm verwandelt hat. ( kBm heißt: keine Bücher mehr.)

 

4. Fragen Sie sich ernsthaft, ob es nicht noch etwas anderes geben kann, wobei man Ihre Meinung schätzt, worüber Sie sich freuen können. Gehen Sie in sich ...

 

Bleiben Sie mir gewogen! Antonia Günder-Freytag

 

 

 

 

 

 

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