Rücklicht, Montagsgedanken

Super toll, klare Leseempfehlung - fünf Sterne

Totaler Mist, dilettantische Nuss - ein Stern


Ja, so kann es einem gehen als Autor. Und so geht es einem auch als Leser. Nur, wo ist die Grenze des guten Geschmacks? Wo die pure Lust am Verriss; die Angst es sich mit dem Autor zu verscherzen?


Es ist heutzutage gar nicht mehr leicht, eine Rezension zu schreiben. Früher las ich ein Buch, klappte es zu und war entweder heilfroh, dass es endlich hinter mir lag, respektive ganz schnell ins Bücherregal zurückwanderte, oder ich war so begeistert, dass ich beleidigt war, wenn es nicht der Nächstbeste, dem ich es unter die Nase hielt. sofort anfing zu lesen ...

Wenn es ein gutes Buch war, verweilte ich noch Tage und Wochen in Gedanken bei meinen Helden und trauerte um die Trennung, die auf Grund der beendeten Geschichte eingetreten war. Nicht selten las ich das Buch von Vorne.

Wenn es mir nicht gefallen hatte, diskutierte ich mit anderen Lesern, was mir nicht gefallen hatte. Manchmal machte ich sie erst mit meinen Schimpfkanonaden auf das Buch aufmerksam und sie liebte es - zu meinem Erstaunen.

Und heute? Heute gibt es eine Reihe an Buchbloggern, die sich mit nichts anderem beschäftigen, als Bücher zu lesen und ihre Meinung über die jeweiligen Ergüsse zu schreiben.

Hilfreich? Manchmal. Ich kenne ja leider die Blogbetreiber nicht persönlich und kann darum ihre Meinung nicht so gut einschätzen.

Das einzige, was ich einschätzen kann, ist, wenn jemand schreibt, das Buch wäre unsauber lektoriert und korrigiert. Das Können will ich einem Buchblogger sicher zugestehen.

Der Rest? Für mich eine Empfehlung, ein Windhauch an der Waage, ob ich das Buch jetzt endgültig kaufen soll, oder nicht. Nicht wirklich entscheidend. Dafür gibt es Leseproben, die mir mehr als 1000 Rezensionen sagen.

Worauf will ich jetzt eigentlich raus, werdet ihr euch vielleicht fragen?

Nun, für mich als Autorin ist es mittlerweile wirklich schwierig geworden Rezensionen zu schreiben. Ich halte mich bei Kolleginnen eigentlich vollkommen zurück. Eine Hand wäscht die andere? Wer weiß? Ich möchte das nicht und ich möchte auch nur gute Rezensionen, wenn der Leser das, was er da schreibt, auch wirklich so empfunden hat.

Ich für meinen Teil freue mich, dass es Buchblogger gibt. Welche, die einen nicht kennen und denen es piepswurst sein kann, was ich von ihren Rezensionen halte. Wenn sie sich an die Netiquette halten, ihre Kritik gerechtfertigt und nachvollziehbar ist, bin ich für jeden Hinweis, wie man was vielleicht besser machen könnte, dankbar.

Mich erstaunt umso mehr, wie oft Autoren auf eine Kritik hochgehen, die vollkommen belegbar ist und nicht aus der Luft gegriffen. Wenn sich in einem korrigierten, lektorierten Buch unübersehbar die Rechtschreibfehler tummeln, die noch dazu nicht von Buchstabendrehern, sondern nicht erkannter Grammatik stammen, dann wird ein Blogger das wohl sagen dürfen.

Mir wäre sicherlich auch sehr negativ ein Fehler aufgefallen, wenn es um die Verwechslung von "seid" und "seit" geht. Das hat eigentlich noch nicht einmal mehr was mit Rechtschreibung zu tun, sondern mit dem Verständnis der deutschen Sprache. Wenn solche Fehler noch nicht einmal einem Lektorat auffallen, dann fragt man sich als Leser, wo man eigentlich hingeraten ist und kann getrost wieder zu Indiebüchern greifen, die bestimmt von vielen bemühten Gegenlesern korrigiert wurden.

Was lernen wir daraus? Das Korrektorat und Lektorat eines großen Verlags ist auch nicht unfehlbar und der Autor an sich ein empfindlich Wesen ...

Ich habe mich mal furchtbar über Steven King aufgeregt, als er drei Seiten lang über ein Mädchen in einem roten Minirock schreibt - ich fing an, mir zu überlegen wie alt der Lustgreis eigentlich schon wäre - und dann schreibt er am Ende des Kapitels, "Dann steckte sie ihre Zigaretten in die Hosentasche und verließ die Disco"

Noch Fragen? Da habe ich mich auch gefragt - wo war das Lektorat, der Gegenleser? Wo warst du Steven???


Hab ihr so etwas auch schon mal erlebt? Und was haltet ihr von Kritik am Buch und Autoren, die nicht kritikfähig sind?





Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Elfquest65 (Sonntag, 14 Juni 2015 19:35)

    Ich habe mal eine Buchkritik auf Amazon über ein Kinderbuch geschrieben, die Bilder fand ich psychedelisch verstörend, die Geschichte strotzte vor komischen Ansichten. Was ich nicht wusste zum Zeitpunkt meiner Kritik, dass der Autor blind war. Mir wurde also vorgeworfen, dass ich das nicht respektieren würde. Ich kann verstehen, dass eine Geschichte wie ein Baby ist, man ist stolz drauf und will, dass andere das uch gut finden. Geschmack liegt im Auge des Betrachters und es wäre langweilig, wenn alle das selbe toll finden würden. Ich habe mit Autoren, generell mit Menschen, die kritikunfähig sind, ein Riesenproblem. Bei Büchern, für die ich auch noch Geld bezahle, erwarte ich, dass das Sprachverständnis vorhanden ist, die Grammatik stimmt und auch die Satzstellung mich nicht aus dem Lesefluss wirft. Dass mal kleine Fehler durchrutschen, passiert. Aber dafür hat man Lektoren und Korrekturleser. Wer mit Kritik nicht umgehen kann in einem Metier, dass seine Kunst öffentlich macht, sollte besser Brötchen verkaufen oder was anderes machen, was im Verborgenen bleibt.