Rücklicht, Montagsgedanken

Was ist Zeit, das fragten sich schon die größten Denker vor uns und wurden sich nicht einig. Ich frage mich manchmal, wo ist Zeit? Da hat man mehrere Projekte, freut sich auch darüber und kommt doch nicht voran. Einmal schreibe ich, als ob ich für jedes Wort in der Sekunde bezahlt würde, dann wieder nichts. Ich habe von Autoren gelesen, die sich jeden Tag um die gleiche Zeit hinsetzen und schreiben. Jeden Tag von acht bis fünf Uhr, mit einer Stunde Mittag. Ich bin beeindruckt. Ich schreibe auch jeden Tag. Wenn es gut läuft 15 bis 16 Seiten. Dann lief es wirklich gut. Manchmal sind es auch nur vier Seiten, aber die waren entscheidend. Dann wieder - nichts. Die Tage ziehen ins Land, ich denke hier, ich denke dort, ich werde nicht unruhig, ich werde nur noch nachdenklicher. Warum schreibe ich nicht weiter, was hält mich davon ab?

Und dann, eines wunderbaren Morgens sagt mir so ein Protagonist, zwischen dem ersten und dem zweiten Kaffeehaferl: `Hast du nicht kapiert, sie kann das so nicht machen, weil doch der Großcousin damals noch gar keine Hühner hatte´

Ich sehe mich mit einem großen Fragezeichen im Gesicht vor meinem Text sitzen. Welcher Großcousin? Hühner? Und während ich noch über diese Fragen brüte, höre ich meine Darsteller lachen ... Glockenhell. What to hell? Sie verarschen mich - eindeutig. Das fordert Rache! Ich setzte mich an mein Manuskript und werde denen die Hölle heiß machen. Mich so auflaufen zu lassen - denen zeig ich es! Und schon sind wieder 16 Seiten geschrieben und ich höre, kurz bevor ich abends einschlafe - `wir hätten nichts gegen Hühner, weißt du?´ Dann Kichern und nichts mehr ...

Ja so geht das mit den Schreibflashs und den Fastblockaden. Wenn die Crew zusammenhält, schafft sie es sogar ihren nicht sehr konsequent arbeitenden Autor wieder an den Text zu bekommen ... In diesem Sinne, lasst uns Hühner halten!